Greenforum 2009

Der Stoff, aus dem die Geräte sind

Am 1. April 2009 feierte SWICO Recycling das 15-Jahre-Jubiläum. Rund 180 Gäste, 2 Referenten und 1 Künstlerin trafen sich im Zürcher „Triibhuus“. Zu Diskussionen über Recycling bei nachhaltiger Ressourcenwirtschaft, über Stoffflüsse und Globalisierung. Zu Gesellschaft und Kulinarik. Und zu einer Versteigerung: drei Bilder aus Computerschrott kamen unter den Hammer. Der Erlös geht an das Kinderdorf Pestalozzi.


Vorträge
„Wenn einem das Wasser zum Hals steht, ist man bereit, Tabuthemen zu diskutieren“
Prof. Dr. Dr. Franz Josef Radermacher, Uni Ulm
in Globalisierung und nachhaltige Entwicklung
„Wir sind daran, unseren Planeten zu plündern“
Prof. Dr. Armin Reller, Uni Augsburg
in Knappe Ressourcen
„Wir recyceln heute die 15-fache Menge zum halben Preis“
Paul Brändli, Geschäftsführer
in seinem Rückblick
„Ein Baum, der fällt, macht mehr Krach als einer, der wächst“
Jutta Znidar, Künstlerin
in Kunst aus Elektroschrott

Der Stoff, aus dem die Geräte sind

Am 1. April 2009 feierte SWICO Recycling das 15-Jahre-Jubiläum. Rund 180 Gäste, 2 Referenten und 1 Künstlerin trafen sich im Zürcher „Triibhuus“. Zu Diskussionen über Recycling bei nachhaltiger Ressourcenwirtschaft, über Stoffflüsse und Globalisierung. Zu Gesellschaft und Kulinarik. Und zu einer Versteigerung: drei Bilder aus Computerschrott kamen unter den Hammer. Der Erlös geht an das Kinderdorf Pestalozzi


Mit einem Rückblick auf die letzten 15 Jahre wurde das Greenforum 2009 eröffnet. In grüner und blumiger Atmosphäre trafen sich rund 180 Mitglieder und Partner von SWICO Recycling zum regen Austausch – im Restaurant „Triibhuus“ in Zürich. Seit der Gründung von SWICO Recycling 1994 wurden rund 350 000 Tonnen Elektroschrott gesammelt, verwertet und in den Produktkreislauf zurückgeführt. Recycling und Energieeffizienz galten früher als Kür, mittlerweile sind sie Pflicht. Das Bewusstsein für einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen ist in der Bevölkerung zwar vorhanden, muss aber nach wie vor gestärkt werden. Zwei renommierte Wissenschaftler aus der globalen Ressourcenwirtschaft waren eingeladen, ihre Sicht der Dinge darzulegen.

Franz Josef Radermacher: Globalisierung und nachhaltige Entwicklung
In den 90er Jahren wuchsen mit dem Boom in der IT grosse Hoffnungen – dass es keine Umweltprobleme mehr gebe, alle reich würden und die Kulturen erhalten blieben. „Diese Hoffnungen konnte die IT aber nicht erfüllen“, sagte Radermacher. Mit jeder neuen technischen Erfindung, die ein altes Problem löste, entstanden wieder neue, grössere Probleme. „Der sogenannte Bumerangeffekt“, erklärte Radermacher. Er erläuterte, dass durch die rasante Bevölkerungszunahme und den weltweiten technischen Fortschritt lebensnotwendige Rohstoffe immer knapper würden und die Ökosysteme am Rande des Kollapses stünden. „Mit verstärkter Governance, ökologischer und kultureller Balance, Mässigung und einer vernünftigen Verteilung können wir die Probleme angehen“, meinte er überzeugt. Als Beispiele nannte er die Vorgaben der UN-Millenniumsentwicklungsziele, die WTO-Vereinbarungen, das Kyoto-Protokoll und innovative Entwicklungskonzepte wie Kleinstkredite.

Armin Reller: Knappe Ressourcen
Der Augsburger Professor Armin Reller sieht einen Grund für den ungebrochenen Raubbau an den ökologischen Ressourcen im fehlenden Bewusstsein für die Stoffgeschichten des täglichen Lebens. Sein Team an der Universität Augsburg hat es sich zum Ziel gesetzt, die Stoffflüsse über den ganzen Lebenszyklus der Produkte aufzuzeigen und damit „die Stoffgeschichten zu Ende zu schreiben“. Vor allem die bei der Bevölkerung eher unbekannten Elemente, die sogenannten „Gewürzmetalle“, sind grundlegend bei der Herstellung von elektronischen Geräten – in modernen Ausführungen stecken bis 50 Metalle. Im Handy sind es circa 25 Gewürzmetalle wie Indium und Lithium. „Diese starke Abhängigkeit seltener Metalle birgt natürlich Gefahren in sich“, meinte Reller. „Die speziellen Eigenschaften dieser Stoffe sind in der heutigen Zeit unverzichtbar geworden.“ Die seltenen Vorkommnisse führen zu sehr starken Abhängigkeiten einzelner Länder und Raubbau an der Natur. Auch die Folgen für die Natur sind bislang unbekannt – wenn die Stoffe unachtsam entsorgt werden. „Man muss den ökologischen Fussabdruck ernst nehmen“, betonte Reller und plädierte für die frühzeitige Suche nach alternativen Lösungen. „Gerade weil die Ressourcen begrenzt sind, müssen wir die Stoffflüsse in Kreisbewegung halten.“

SWICO Recycling: 15-jähriges Bestehen
Der Gastgeber Paul Brändli gab einen Rück- und Ausblick unter dem Motto „mit voller Kraft voraus“. Das System SWICO Recycling sei mittlerweile etabliert und international als Pionierleistung bekannt. «Wir danken dafür insbesondere auch unseren Partnern aus der Privatwirtschaft, ohne die dieser Erfolg nicht möglich gewesen wäre», sagte Brändli. Die Zahl der Konventionsunterzeichner ist von anfangs 30 auf 630 im Jahr 2008 gestiegen, jeder kennt die vorgezogene Recyclinggebühr (vRG), und in der Schweiz gibt es keine wilden Gerätedeponien in den Wäldern. Kunden können alte Elektronikgeräte in 6000 Geschäften und an 500 öffentlichen Sammelstellen kostenlos zurückgeben. «Wir recyceln heute beinahe 15 Mal soviel wie 1994», erklärte Paul Brändli. «Die Gesamtkosten pro Kilogramm entsorgtes Material konnten wir hingegen trotz Teuerung halbieren.» Die strategischen Ziele – auch über 2009 hinaus – umriss Paul Brändli mit den Stichworten Marktabdeckung und Rücklaufquote: Deckt SWICO Recycling aktuell 85 bis 90 Prozent des Marktes ab, werden für die Zukunft 95 Prozent angestrebt. Zudem soll die Rücklaufquote von heute 85 auf 90 Prozent gesteigert werden. Und nicht zuletzt gilt es, SWICO Recycling in der Öffentlichkeit noch stärker als Qualitätslabel für nachhaltigen Elektronikkonsum zu verankern.

Kunst aus Schrott
Im Anschluss an die Referate stellte die Künstlerin Jutta Znidar ihre Werke aus Schrott vor. Die Künstlerin arbeitet auf originelle Weise Material aus elektronischem Abfall in ihre Bilder ein. So entstanden Werke mit Kabelsalaten und Kabelbäumen, aus Netzwerken Fangnetze und aus Diktiergeräten Hochhäuser. Drei Bilder von Znidar wurden am Abend der Veranstaltung bei einer Auktion versteigert. Der Erlös von 7200 Franken geht an das Kinderdorf Pestalozzi.

Der Dank geht an …
Hauke Stars, Country General Manager HP Schweiz, bedankte sich bei SWICO Recycling und lobte das gut durchdachte System. „SWICO ist Weltmeister im Recyceln und findet im Ausland Nachahmer“, meinte sie. Auch Hans-Peter Farni vom Bundesamt für Umwelt BAFU lobte die Leistungen und betonte nochmals die Wichtigkeit, bei den Handys eine bessere Rücklaufquote zu erreichen. Dr. Xaver Edelmann, Mitglied der EMPA-Direktion, spricht von einer ausserordentlich effizienten und vertrauensvollen Zusammenarbeit mit SWICO. Er überreicht Paul Brändli als Dank ein Dokument über die Patenschaft für Rebstöcke in Stäfa. Felix Hafen, SQS Auditor, bringt seine Zufriedenheit prägnant auf den Punkt: „Es ist schwierig nachzuweisen, dass man gut ist. Aber in 15 Jahren Weltmeister werden im Recycling – das muss uns noch jemand nachmachen.“ Beim Dinner hatten die Gäste und Referenten die Möglichkeit, sich in aller Ruhe auszutauschen – in geselliger Atmosphäre, unter einem grünen Blätterdach, begleitet vom Piano.

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Auktion

Das Bild Memories 5 geht für 3500 Franken an eine Person, der das Kinderdorf Pestalozzi am Herzen liegt. Tabernakel gehört für 2500 Franken der Firma GOP. Und die Netzwerke 5 nimmt Prof. Dr. Armin Reller für 1200 Franken nach Augsburg mit.

Die 7200 Franken aus der Versteigerung gehen an die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. Das ganze Dorf wird nach ökologischen Kriterien umgebaut. Und mit dem Ertrag aus der Auktion finanziert SWICO Recycling den Wärmeverteiler im Haus Nakupenda, also das Bindeglied zwischen der Holzschnitzel-Heizzentrale und dem Haus. Das Nakupenda beherbergt eine multikulturelle Wohngruppe von 8 Kindern und Jugendlichen aus 5 Nationen. Ein feines Detail: Nakupenda heisst auf Suaheli „Ich liebe dich“. Ein Projekt also, das Nachhaltigkeit verspricht.

7200 Franken für das Kinderdorf Pestalozzi

Eine runde Sache auf der grünen Wiese: Paul Brändli, Geschäftsführer von SWICO Recycling, übergibt Marc Wilmes vom Pestalozzidorf 7200 Franken – den Ertrag aus der Versteigerung am Greenforum 2009. Das Geld wird investiert in einen Wärmeverteiler im Haus Nakupenda. Ein Projekt also, das Nachhaltigkeit verspricht.

Stimmen

Bekannte Gesichter, spannende Erkenntnisse und Ziele für die Zukunft: Ein paar Gäste vom Greenforum 2009 erzählen, was sie erwarten, wünschen, planen und denken:

Reto Naef, ABC Software GmbH
„Nachhaltigkeit ist leider zum Modewort geworden. So vieles soll plötzlich nachhaltig sein. Ursprünglich bedeutete es: Ressourcen schonen und Rücksicht nehmen auf Menschen. Diese Bedeutung hat es verloren. Ein Anlass wie das Greenforum kann helfen, das ganze wieder auf die richtige Schiene zu bringen“.

Isabelle Baudin, Bundesamt für Umwelt (BAFU)
„Das Thema ist neu für mich. Ich will hier etwas lernen über Ressourcen-Knappheit. Und ich will hören, was SWICO schon gemacht hat und erfahren, was wir vom Bund beitragen können.“

Urs Leisibach, Canon (Schweiz) AG
„Ich möchte am Greenforum ein bisschen Geschichte der 15 Jahre hören. Canon war ja Gründungsmitglied. Am Anfang gab es Opposition. Ich glaube, es hat sich gut entwickelt. Es ist sicher sinnvoll, Bilanz zu ziehen und aufgrund der Ergebnisse Anpassungen zu machen. Und hier trifft man wieder viele Leute.“

Jürg Schweizer, Canon (Schweiz) AG
„Ich arbeite in der Technik und will den Kunden natürlich auch sagen, was SWICO ist und macht. Darüber höre ich hier am Greenforum sicher einiges.“

Jutta Znidar, Künstlerin
„Ich war früher auch in der Informatik-Branche. Seit 30 Jahren begleitet mich das Thema. Recycling geht für mich weiter als bis zu den Schrott-Elementen – nämlich bis zur Produktion dieser Systeme.“

Andreas Knöpfli, Sun Microsystems (Schweiz) AG, Präsident SWICO
„Das Greenforum war ein Erfolg, wenn unsere Gäste überzeugt sind von dem, was wir machen. Und wenn alle verstanden haben, dass in den letzten 15 Jahren viel Positives gelaufen ist und sich einiges weiter entwickeln wird. Nachhaltigkeit ist wichtig, wird immer wichtiger und hat heute alle Kreise erreicht – auch in der Wirtschaft und der Politik. Das ist überall sehr visibel.“

Alain Gut, Tata Consultancy Services Switzerland Ltd., Vorstandsmitglied SWICO
„Ja, ich glaube schon, dass wir Grund haben zum Feiern. Diese Themen werden immer wichtiger. SWICO hat im Recycling schon einiges erreicht, hat noch einiges vor sich und wird noch viel bewegen können und müssen. So ein Anlass bringt auch Transparenz“.

Rolf Widmer, EMPA
„Die Themen der Redner Reller und Radermacher interessieren und beschäftigen auch die EMPA. Es geht um Gewürzmetalle, das sind seltene Substanzen, die in der Elektronik und dem Elektroschrott vorkommen. Wir haben Dissertationen und Forschungsprojekte, die da reinlaufen. Das ist ein spannendes Thema für jetzt und die Zukunft. Wir müssen diesen extrem seltenen Materialen Sorge tragen, sonst sterben sie aus – wie gewisse Spezies in der Biologie. Und was SWICO Recycling macht, ist, diesen Materialien Sorge zu tragen.“

Brigitte Zogg, Coop
„Die beiden Referate waren sehr anregend und spannend. Herr Reller hat total aus dem Vollen geschöpft. Und auch die Künstlerin am Schluss hat gut gepasst. Der Apéro war anregend. Ich kenne hier viele Leute, das ist immer schön.“

Denis Beier, DELL SA
„Für mich als Welscher was es etwas schwierig zu verstehen. Hoffentlich habe ich das Wichtigste mitbekommen. Ich glaube, die Vorträge waren sehr gut – soweit ich sie verstanden habe. Vor allem der erste Referent hat mir sehr gut gefallen. Er war nicht immer so politisch korrekt – das hat mich überrascht, war total erfrischend und gut.“

Jürg Stutz, Stutz HTC Services
„Mir gefällt es sehr gut am Greenforum 2009. Die Gespräche, das Ambiente, alles ist prima. Und der erste Vortrag hat mir sehr gut gefallen, weil er so was Philosophisches hatte. Es ist – im gesamten Rahmen gesehen – ein wunderschöner Anlass.“

Roberto Vitaliano, ALSO Schweiz AG
„Mir gefällt es hier ausgezeichnet. Vor allem die zwei Vorträge, die fand ich gewaltig und fantastisch – im besonderen der von Radermacher. Was mir bleibt, sind die Zusammenhänge bei den Rohstoffen – von der Gewinnung bis zum Gerät und zurück. Das ist mir richtig eingefahren.“

Urs Widmer, ALSO Schweiz AG
„Die Referate waren sehr interessant und ausgewogen. Das war ein sehr gelungener Anlass. Ich kann nichts kritisieren.“

Fotos

 


 
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