Swico Verband

Fragen & Antworten

1. Welche Bestimmungen gelten in der Schweiz für die Entsorgung von Elektroaltgeräten (EAG)?

Grundlage für das Recycling ist die Verordnung über die Rückgabe, die Rücknahme und die Entsorgung elektrischer und elektronischer Geräte (VREG), welche am 1. Juli 1998 in Kraft trat. Diese Verordnung soll sicherstellen, dass elektrische und elektronische Geräte nicht in Siedlungsabfälle gelangen und dass sie umweltgerecht entsorgt werden.

Namentlich betrifft dies elektrisch betriebene

  1. Geräte der Unterhaltungselektronik;
  2. Geräte der Büro-, Informations- und Kommunikationstechnik;
  3. Haushaltgeräte;
  4. Leuchten;
  5. Leuchtmittel (ohne Glühlampen);
  6. Werkzeuge (ohne ortsfeste industrielle Grosswerkzeuge);
  7. Sport- und Freizeitgeräte sowie Spielzeug

sowie elektronische Bestandteile von Geräten und PCB-haltige Vorschaltgeräte von Leuchten.

Die VREG sieht Folgendes vor:

  • Unternehmen oder Private, die sich eines Gerätes entledigen wollen, müssen dieses einem Händler, dem Hersteller oder Importeur, einem Entsorgungsunternehmen oder einer Sammelstelle für Elektrogeräte abgeben.
  • Händler müssen Geräte der Art, die sie selbst im Sortiment führen, während den gesamten Öffnungszeiten kostenlos zurücknehmen. Der Kunde muss das Gerät nicht bei diesem Händler gekauft haben und es muss auch kein Neukauf stattfinden.
  • Hersteller und Importeure müssen Geräte der von ihnen hergestellten oder importierten Marken kostenlos zurücknehmen.
  • Die zurückgenommenen Geräte müssen fachgerecht entsorgt werden.

2. Wie unterscheiden sich die Bestimmungen in der Schweiz von denen in der EU?

Die EU hat erst seit 2002 eine WEEE-Direktive. Die EU-Bestimmungen sind bezüglich Rücknahmepflichten deutlich weniger einschränkend und lassen den einzelnen Mitgliedstaaten relativ viel Spielraum. Die EU hat zwar nun verbindliche Sammelquoten eingeführt (was die Schweiz nicht kennt). Die angestrebten Sammelquoten liegen deutlich über den bisherigen Sammelquoten in der EU, aber immer noch weit unter den Schweizer Quoten (rund 85%).

WEEE ist eine weltweit verbreitete englische Abkürzung und steht für „Waste Electrical and Electronic Equipment“, zu Deutsch „Elektro- und Elektronikaltgeräte“. Bei WEEE-Recycling handelt es sich somit um die Entsorgung von elektr(on)ischen Altgeräten.

3. Wie funktioniert das Rücknahmesystem von Swico Recycling?

Hersteller und Importeure erheben auf in der Schweiz und im Fürstentum Lichtenstein verkaufte Geräte die vorgezogene Recyclinggebühr vRG (bzw. VRB, siehe Frage 18). Diese wird durch Distributoren und Händler an den Endkunden weiter verrechnet.

Durch die Bezahlung der vRG ist der Endkunde berechtigt, sein ausgedientes Gerät im Fachhandel, bei Herstellern und Importeuren oder an einer Abgabestelle kostenlos abzugeben. Die Rücknahmestellen führen die Geräte einem der Swico Recyclingpartner zu. Unternehmen in der Schweiz und im Fürstentum Liechtenstein können dazu den Abholauftrag auf www.swicorecycling.ch ausfüllen.

Beim Recycler werden die Geräte auseinandergenommen, schadstoffhaltige Komponenten entfernt und die übrigen Teile so zerkleinert, dass daraus die Wertstoffe zurückgewonnen werden können.

Dieser Prozess wird durch die vorgezogene Recyclinggebühr finanziert, welche die erhebenden Hersteller und Importeure vollumfänglich an Swico Recycling weiterleiten.

4. Für welche Gerätekategorien ist Swico Recycling zuständig?

Swico Recycling entsorgt ausrangierte Geräte aus den Bereichen Büro, Informatik, Unterhaltungselektronik, Kommunikation, grafische Industrie sowie Mess- und Medizinaltechnik. Die genaue Liste ist auf der Homepage zu finden.

Für Haushaltsgeräte ist die Stiftung Entsorgung Schweiz (SENS) zuständig, für Leuchten und Leuchtmittel die Stiftung Lichtrecycling Schweiz (SLRS).

5. Welche Kosten und welcher Aufwand entstehen mir als Hersteller bzw. Importeur?

Da die vorgezogene Recyclinggebühr an den Endkunden verrechnet wird, entstehen grundsätzlich keine Kosten. Was den internen Aufwand anbelangt, so gehören dazu das einmalige Einpflegen der vRG-Tarife in das Verrechnungssystem, allfällige Anpassungen dieser Tarife und das halbjährliche Reporting der vRG-Einnahmen.

6. Wie kann ich dem Rücknahme-System von Swico Recycling beitreten?

Der Beitritt ist für alle Firmen möglich, die elektrische und elektronische Geräte aus den unter Frage 4 genannten Bereichen in der Schweiz oder im Fürstentum Liechtenstein herstellen oder in diese Länder importieren.

Rechte und Pflichten finden sich in der Konvention über Recycling von Elektro- und Elektronikgeräten sowie in der dazugehörigen praktischen Richtlinie. Nach dem Studium dieser beiden Dokumente muss die Beitrittserklärung ausgefüllt und Swico Recycling rechtgültig unterzeichnet zugestellt werden. Die Mitglieder von Swico Recycling werden Konventionsunterzeichner genannt. Die Dokumente sind hier abrufbar.

Eine Mitgliedschaft beim Verband Swico ist nicht Voraussetzung.

7. Gibt es ein anderes Rücknahmesystem als Alternative zu Swico Recycling?

Nein. Während in anderen Ländern zum Teil konkurrierende Systeme bestehen, macht dies in der Schweiz keinen Sinn: Die Kleinräumigkeit des Marktes, die hohen Logistikkosten aufgrund eines sehr dichten Sammelstellennetzes sowie der Aufwand aufgrund der Mehrsprachigkeit würde eine Mehrzahl von Systemen (plus das dann notwendige Clearing zwischen den Systemen) sehr aufwändig machen.

8. Was passiert, wenn wir Swico Recycling nicht beitreten (wollen)?

Die VREG bestimmt, dass Hersteller und Importeure, die keine Beiträge an eine private Organisation wie Swico Recycling leisten, die zurückgenommenen Geräte auf eigene Rechnung der Entsorgung zuführen müssen. Zudem müssen sie ein Verzeichnis über die Anzahl verkaufter und zurückgenommener Geräte führen und belegen können, dass sie die zurückgenommen Geräte der Entsorgung zugeführt haben. Sie sind verpflichtet, dem Bundesamt oder den Kantonen auf Verlangen für die letzten fünf Jahre Einsicht in diese Unterlagen zu gewähren.

Alles in allem sind die Kosten eines Alleingangs deutlich höher als bei einer Mitwirkung bei Swico Recycling, sofern die gesetzlichen Regeln eingehalten werden. Andernfalls drohen Reputationsverluste und Sanktionen der kantonalen Behörden.

9. Wie hoch ist die Marktabdeckung durch Swico Recycling?

Swico Recycling erreicht eine Marktabdeckung von deutlich über 90%. Alle grossen Firmen sind meist schon lange Konventionsunterzeichner oder lassen die vRG über den Grosshandel erheben. Die Liste der Konventionsunterzeichner ist öffentlich einsehbar.

10. Entstehen mir durch die vRG Wettbewerbsnachteile?

Die vRG beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit nicht, da sie von über 90 % der Hersteller bzw. Importeure entrichtet wird und ein alternatives System teurer käme.

Swico Recycling empfiehlt, die vRG auf Preislisten, Offerten und Rechnungen gesondert auszuweisen oder zumindest zu erwähnen. Im Verkehr mit Endverbrauchern sind die Bestimmungen der Preisbekanntgabeverordnung (PBV) zu beachten. Diese besagt, dass die vRG im angeschriebenen Preis eingeschlossen sein muss. Mit dem zusätzlichen Aufführen der vRG (als Teil des Gesamtpreises) wird dem Konsumenten die Sicherheit gegeben, dass sich der Verkäufer auch für ein korrektes Recycling engagiert.

11. Wie hat sich die vRG in den letzten Jahren entwickelt? Sind Erhöhungen geplant?

Mit einer Ankündigungsfrist von mindestens sechs Monaten kann die vRG einmal jährlich, auf den 01. Januar oder den 01. Juni den Erfordernissen angepasst werden. Allfällige Anpassungen werden mindestens 12 Monate im Voraus angekündigt. Vorgängig haben die Konventionsunterzeichner die Möglichkeit, sich zu den vorgeschlagenen Änderungen zu äussern.

12. Wieso sind die Kosten für die Entsorgung von EAG in der Schweiz höher als in der EU?

Um die diversen Recyclingsysteme zu vergleichen, darf man nicht nur die Kosten bzw. Recyclinggebühren beachten. Es muss auch verglichen werden, welche Leistungen (Transport, Batterien, Verpackung) inbegriffen sind und was für Ziele und Anforderungen (Arbeitssicherheit, Verarbeitungstiefe und -qualität) sich die Organisation gesetzt hat.

Aus folgenden Gründen ist das Preisniveau in der Schweiz insgesamt teurer als in der EU:

  • Das Sammelstellennetz ist wesentlich dichter: In der Schweiz können Geräte (aufgrund gesetzlicher Vorgabe) an insgesamt 6‘000 Orten abgegeben werden. Insbesondere die in der EU (noch) nicht vorgesehene Rücknahmepflicht durch den gesamten Handel erhöht die Sammel- und die Logistikkosten erheblich. Allerdings ermöglicht dies auch eine deutlich höhere Rücklaufquote als in der EU (siehe Antwort 2). Grundsätzlich ist ein System umso günstiger, je weniger Altgeräte zurückgebracht werden. Dies allerdings kann nicht das Ziel eines Recyclingsystems sein!
  • Die Kleinräumigkeit des Landes führt zu höheren Fixkosten, die anspruchsvolle Topographie zu teureren Transporten und die Mehrsprachigkeit zu Mehraufwand in Kommunikation und bei Sensibilisierungskampagnen.
  • Die regulatorischen Anforderungen sind in der Schweiz strenger. Als Pionier in Sachen EAG-Entsorgung hat die Schweiz die Vorschriften laufend entsprechend den technischen Möglichkeiten weiter entwickelt, was in der EU nicht in diesem Ausmass der Fall war.
  • Die Lebenshaltungskosten und das Lohnniveau sind in der Schweiz generell höher.

13. Wie können die Konventionsunterzeichner bei Swico Recycling Einfluss nehmen?

Oberstes Organ von Swico Recycling ist der Swico Recycling Board, der aus Vertretern der Konventionsunterzeichner besteht und in welchem alle Unternehmensgrössen, Branchen und Wertschöpfungsstufen angemessen vertreten sind.

14. Wie kann ich bei Swico Recycling wieder austreten? Mit welchen Konsequenzen?

Die Swico Recycling Konvention kann mit sechsmonatiger Kündigungsfrist auf Ende eines Kalenderjahres gekündigt werden. Wenn Sie keine Geräte mehr herstellen oder importieren, hat der Austritt keine Konsequenzen.

Falls weiterhin Geräte hergestellt oder importiert und in der Schweiz oder dem Fürstentum Liechtenstein verkauft werden, müssen dann die Vorgaben der VREG eingehalten werden (siehe Antwort 8).

15. In welchem Zusammenhang stehen Swico als Wirtschaftsverband der ICT-Anbieter und Swico Recycling?

Swico Recycling ist eine neutrale, nicht gewinnorientierte Organisation, welche vom Verband Swico gegründet und von ihm betrieben wird.

16. Wir sind schon Swico-Mitglied. Ändert das etwas im Recycling-Bereich?

Die Mitgliedschaften beim Swico Verband und bei Swico Recycling sind unabhängig voneinander.

17. Wie ist Swico Recycling historisch entstanden?

Swico Recycling wurde am 1. Dezember 1993 durch eine Mehrheit der Mitglieder des Verbandes Swico als freiwilliges System ins Leben gerufen. Grund dafür waren die steigenden Anforderungen der Kunden, Geräte aller Marken problemlos an einen Ort zurückgeben zu können, sowie die Erkenntnis der Importeure und Hersteller, dass ein gemeinsames System aus Effizienzgründen vorzuziehen ist.

Die Lösung trat am 1. April 1994 für die Bereiche Büroelektronik und IT in Kraft. Es beteiligten sich beim Start 36 Unternehmen. In der Zwischenzeit sind mehrere Bereiche und über 500 Unterzeichner dazugekommen:

1999: Mobiltelefone

2000: Grafische Industrie

2001: Telefonapparate und Telefonautomaten

2002: Unterhaltungselektronik und Foto

2004: Dentalgeräte

2006: Medizinal-/Messgeräte, Sicherheitstechnik, Musikinstrumente

18. Bei Swico Recycling kommen sowohl vRG als auch VRB als Abkürzung vor. Bedeuten sie denn das selbe?

Ja. Dies hat historische Gründe. Bei der Gründung von Swico Recycling wurde der für die Entsorgung auf den Kaufpreis erhobene Betrag als „vorgezogene Recyclinggebühr (vRG)“ bezeichnet und dieser Begriff während der letzten zwei Jahrzehnte immer so verwendet. Er hat sich überall eingebürgert und ist auch bei den Herstellern und Importeuren fest verankert. Da eine Änderung in ihren IT-Systemen und auch bei Swico viel Aufwand verursachen würde, verwenden wir gegenüber ihnen diesen Begriff weiterhin. Aber an sich ist der Begriff Gebühr inhaltlich falsch, da Gebühren staatlich sind, Swico Recycling aber ein freiwilliges System ist. Aus diesem Grund sind den auch die Behörden in den letzten Jahren dazu übergegangen, einen anderen Begriff zu verwenden: „Vorgezogener Recyclingbeitrag (VRB)“. Diese Definition macht insbesondere deshalb Sinn weil es daneben noch den Begriff „Vorgezogene Entsorgungsgebühr (VEG)“ gibt, der für Systeme reserviert ist, welche staatlich verordnet sind (z.B. bei den Batterien).

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